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Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Kohli

Warum ich Google Bewertungen nicht mehr vertraue

Meine Erfahrung. Meine Meinung. Mein Vertrauen ist weg.

Ich habe lange selbst Bewertungen geschrieben. Ehrlich, aus meiner Sicht und mit dem Gedanken, anderen Menschen bei Entscheidungen zu helfen. Heute frage ich mich, welchen Wert dieses System für mich noch hat. Inzwischen wurden insgesamt drei meiner Google Bewertungen entfernt.

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Kohli, fünf durchgestrichene Sterne
01 / Meine Geschichte

Wie mein Vertrauen verloren ging

Früher war eine Bewertung für mich etwas Selbstverständliches. Nach einem Besuch oder einer Erfahrung habe ich meine Eindrücke geteilt. Nicht um jemandem zu schaden, sondern um anderen eine persönliche Einschätzung zu geben. Eine Bewertung ist schließlich immer eine persönliche Einschätzung. Sie beschreibt, wie jemand einen Besuch oder eine Situation selbst erlebt hat.

Hinzu kam, dass mir die Google App immer wieder eine Liste mit Orten angezeigt hat, die ich besucht hatte und zu denen ich eine Bewertung abgeben konnte. Häufig habe ich mich abends hingesetzt, diese Liste durchgescrollt und meine ehrliche Meinung zu den jeweiligen Besuchen abgegeben. Genau deshalb stellt sich mir heute noch eine weitere Frage: Wenn Google mir selbst einen besuchten Ort zum Bewerten vorgeschlagen hat, weiß Google dann nicht bereits, dass ich dort gewesen bin?

Für mich wirkt es widersprüchlich, wenn mir ein Ort zunächst aufgrund meines Besuchs zum Bewerten angeboten wird und ich später im Streitfall möglicherweise trotzdem belegen soll, dass ich tatsächlich dort war. Auch das trägt dazu bei, dass ich den Sinn des Systems inzwischen anders bewerte.

Inzwischen wurden insgesamt drei meiner Google Bewertungen entfernt. Bei der ersten Entfernung legte ich noch Einspruch ein. Ich wollte erklären, dass ich tatsächlich eine Erfahrung gemacht hatte und dass meine Schilderung ernst gemeint war. Ich nahm mir die Zeit, mich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen.

Bei der zweiten Entfernung begann ich bereits, grundsätzlich am Sinn des Systems zu zweifeln. Die dritte Entfernung hat für mich schließlich den Ausschlag gegeben. Diese Bewertung bestand lediglich aus drei Sternen. Kein Text. Keine Anschuldigung. Keine beleidigende Formulierung. Keine Beschreibung des Unternehmens. Einfach nur drei von fünf Sternen.

Und genau an diesem Punkt verstehe ich das System nicht mehr. Warum wird selbst eine solche Bewertung entfernt? Drei Sterne sind für mich keine vernichtende Kritik. Sie bedeuten schlicht, dass meine persönliche Erfahrung weder besonders schlecht noch so gut war, dass ich fünf Sterne vergeben wollte.

Natürlich weiß ich nicht, aus welchem konkreten Grund diese Bewertung letztlich entfernt wurde. Ich möchte auch nicht behaupten, dass sie entfernt wurde, weil es nur drei Sterne waren. Aber eine Frage bleibt bei mir zurück: Wäre die Bewertung auch beanstandet worden, wenn ich fünf Sterne vergeben hätte?

Ich kann diese Frage nicht beantworten. Aber allein, dass sie sich mir inzwischen stellt, zeigt, wie sehr mein Vertrauen in Google Bewertungen gelitten hat. Wenn selbst eine reine Sternebewertung ohne kritischen Text verschwinden kann, frage ich mich als Nutzer, welchen Aussagewert die verbleibenden Bewertungen für mich noch haben.

Am 13. September 2026 erhielt ich zu einer der entfernten Rezensionen eine Nachricht von Google. Darin wurde mir mitgeteilt, dass die Rezension nach einer Beschwerde vorerst entfernt worden sei. Als Hintergrund nannte Google den Vorwurf, die Rezension sei nach deutschem Recht diffamierend. Zugleich wurde mir angeboten, mit Nachweisen meiner Kundenbeziehung Einspruch einzulegen.

Ich verstehe, dass Unternehmen sich gegen unwahre Tatsachenbehauptungen und rechtswidrige Inhalte wehren dürfen. Das ist wichtig und richtig. Ich kann auch nachvollziehen, dass eine Plattform Beschwerden prüfen muss. Mein Problem ist ein anderes. Wenn ich für eine persönliche, in gutem Glauben verfasste Bewertung immer wieder Nachweise zusammentragen und ein Verfahren durchlaufen soll, verliere ich die Freude und die Bereitschaft, überhaupt noch zu bewerten.

Aus meiner Sicht entsteht dadurch ein Ungleichgewicht. Ich frage mich, wie vollständig ein öffentlich sichtbares Bewertungsbild sein kann, wenn einzelne Rezensionen nach Beschwerden zeitweise verschwinden. Das bedeutet nicht, dass alle entfernten Rezensionen berechtigt waren oder dass alle verbliebenen Bewertungen falsch sind. Aber es reicht aus, um mein persönliches Vertrauen in die Aussagekraft des Systems zu erschüttern.

02 / Dokumentierter Anlass

Was Google mir geschrieben hat

Google teilte mir mit, dass eine Beschwerde wegen angeblich diffamierender Inhalte eingegangen sei und meine Rezension vorerst entfernt wurde. Ein Einspruch mit Nachweisen sei möglich. Die Mitteilung weist außerdem darauf hin, dass Beschwerden sowohl manuell als auch automatisiert bearbeitet werden können.

Zusammenfassung der E Mail vom 13. September 2026. Die betroffene Rezension und das Unternehmen werden hier bewusst nicht genannt.

Aus der Mitteilung von Google vom 13. September 2026

Ihre Rezension wurde nicht gepostet.

Hintergrund

Wir haben eine Beschwerde erhalten, in der behauptet wird, dass Ihre Rezension nach deutschem Recht diffamierend sei. Ihre Rezension wurde vorerst entfernt, da es für Unternehmen in der Regel relativ einfach möglich ist, Rezensionen von deutschen Gerichten als diffamierend anerkennen zu lassen.

Unternehmen können beispielsweise einfach angeben, dass sie nicht bestätigen können, dass Sie dort Kundin bzw. Kunde waren, etwa weil keine Aufzeichnungen über eine Transaktion vorliegen. Sofern keine gegenteiligen Beweise vorliegen, können Gerichte Plattformen anweisen, die Rezension zu entfernen.

Wenn Sie nachweisen können, dass Sie Kundin oder Kunde waren und Ihre Rezension reaktivieren möchten, können Sie Einspruch einlegen.

Google weist außerdem darauf hin, dass die Entscheidung auch per Automatisierung bearbeitet wurde und für die Bearbeitung von Beschwerden eine Kombination aus manueller Überprüfung und Automatisierung eingesetzt wird.

Für einen Einspruch können beispielsweise Fotos vom Besuch, eine Buchungsbestätigung, ein Beleg oder andere unterstützende Dokumente, das Anrufprotokoll des Smartphones sowie Angaben zum Besuch wie Datum, Uhrzeit und besondere Beobachtungen eingereicht werden. Auch andere Nachweisarten können ausreichen.

Auszug aus der E Mail von Google vom 13. September 2026. Persönliche Daten, Vorgangsnummern, individuelle Links sowie Angaben zur konkret betroffenen Rezension wurden aus Datenschutzgründen weggelassen. Der Text wurde an diesen Stellen gekürzt.

03

Warum ich keine Rezensionen mehr schreibe

Für mich steht der Aufwand inzwischen in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen. Ich möchte nach einem Besuch meine Eindrücke teilen können, ohne damit rechnen zu müssen, später Belege suchen und meine Erfahrung erneut rechtfertigen zu müssen. Deshalb habe ich für mich entschieden, keine Google Rezensionen mehr zu veröffentlichen.

04

Worauf ich stattdessen vertraue

Wenn ich künftig wissen möchte, ob sich ein Besuch lohnt, frage ich lieber Menschen, deren Erfahrungen ich einordnen kann. Freunde, Bekannte und persönliche Empfehlungen. Mundpropaganda ist nicht unfehlbar. Aber ich kann nachfragen, Hintergründe verstehen und mir selbst ein Bild machen.

05

Muss ich meine Meinung eigentlich beweisen?

An diesem Punkt stelle ich mir noch eine andere Frage: Muss man heute fast wie ein Journalist unterwegs sein, nur um später seine persönliche Erfahrung schildern zu können?

Muss ich vorsorglich Rechnungen aufbewahren, Fotos machen oder andere Belege sammeln, nur für den Fall, dass jemand meine Bewertung anzweifelt? Wenn ich an einem bestimmten Tag mit einem Restaurant, einem Hotel oder einer Dienstleistung nicht zufrieden war, dann ist das zunächst meine persönliche Erfahrung dieses Tages. Sie muss nicht bedeuten, dass dieses Unternehmen grundsätzlich schlecht ist.

Und genau hier könnte meiner Meinung nach ein Bewertungssystem besser werden. Warum werden ältere Bewertungen nicht stärker in einen zeitlichen Zusammenhang gestellt? Ein Restaurant kann einen schlechten Tag haben. Ein Unternehmen kann Probleme erkennen und sich verbessern. Personal kann wechseln, der Service kann besser werden. Genauso kann sich ein früher sehr guter Eindruck mit der Zeit verschlechtern.

Eine ältere kritische Bewertung und viele aktuelle positive Bewertungen könnten gemeinsam ein realistischeres Bild ergeben. Vielleicht könnte deshalb auch die Aktualität einer Bewertung bei der Darstellung und Berechnung der Gesamtbewertung eine Rolle spielen. Neuere Erfahrungen könnten stärker gewichtet werden, während ältere Bewertungen sichtbar bleiben und mit der Zeit weniger Einfluss auf den aktuellen Durchschnitt haben.

So würde eine frühere negative Erfahrung nicht ausgelöscht. Gleichzeitig hätte ein Unternehmen die faire Chance zu zeigen, dass es sich verbessert hat. Das würde für mich die Glaubwürdigkeit eines Bewertungssystems erhöhen.

Vertrauen entsteht für mich nicht dadurch, dass am Ende möglichst viele fünf Sterne übrig bleiben. Vertrauen entsteht, wenn unterschiedliche Erfahrungen sichtbar bleiben und ich als Leser selbst einschätzen kann, wie aktuell und relevant sie für mich sind.

06 / Fairness

Eine persönliche Meinung, kein Vorwurf

Ich behaupte nicht, dass Google Bewertungen grundsätzlich manipuliert sind oder dass jedes Unternehmen missliebige Kritik entfernen lassen kann. Ich schildere meine eigenen Erfahrungen und die Wirkung, die diese Entscheidungen auf mein Vertrauen haben. Andere Menschen dürfen das selbstverständlich anders sehen.

“Ich bewerte nicht mehr bei Google. Und ich verlasse mich nicht mehr auf die Sterne allein.”

07 / Weitere Stimmen

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Diese externen Beiträge zeigen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven. Die verlinkten Aussagen stammen von den jeweiligen Autorinnen und Autoren und müssen nicht meiner Meinung entsprechen.

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