01 / Meine Geschichte
Wie mein Vertrauen verloren ging
Früher war eine Bewertung für mich etwas Selbstverständliches. Nach einem Besuch oder einer Erfahrung habe ich meine Eindrücke geteilt. Nicht um jemandem zu schaden, sondern um anderen eine persönliche Einschätzung zu geben. Eine Bewertung ist schließlich immer eine persönliche Einschätzung. Sie beschreibt, wie jemand einen Besuch oder eine Situation selbst erlebt hat.
Hinzu kam, dass mir die Google App immer wieder eine Liste mit Orten angezeigt hat, die ich besucht hatte und zu denen ich eine Bewertung abgeben konnte. Häufig habe ich mich abends hingesetzt, diese Liste durchgescrollt und meine ehrliche Meinung zu den jeweiligen Besuchen abgegeben. Genau deshalb stellt sich mir heute noch eine weitere Frage: Wenn Google mir selbst einen besuchten Ort zum Bewerten vorgeschlagen hat, weiß Google dann nicht bereits, dass ich dort gewesen bin?
Für mich wirkt es widersprüchlich, wenn mir ein Ort zunächst aufgrund meines Besuchs zum Bewerten angeboten wird und ich später im Streitfall möglicherweise trotzdem belegen soll, dass ich tatsächlich dort war. Auch das trägt dazu bei, dass ich den Sinn des Systems inzwischen anders bewerte.
Inzwischen wurden insgesamt drei meiner Google Bewertungen entfernt. Bei der ersten Entfernung legte ich noch Einspruch ein. Ich wollte erklären, dass ich tatsächlich eine Erfahrung gemacht hatte und dass meine Schilderung ernst gemeint war. Ich nahm mir die Zeit, mich mit der Entscheidung auseinanderzusetzen.
Bei der zweiten Entfernung begann ich bereits, grundsätzlich am Sinn des Systems zu zweifeln. Die dritte Entfernung hat für mich schließlich den Ausschlag gegeben. Diese Bewertung bestand lediglich aus drei Sternen. Kein Text. Keine Anschuldigung. Keine beleidigende Formulierung. Keine Beschreibung des Unternehmens. Einfach nur drei von fünf Sternen.
Und genau an diesem Punkt verstehe ich das System nicht mehr. Warum wird selbst eine solche Bewertung entfernt? Drei Sterne sind für mich keine vernichtende Kritik. Sie bedeuten schlicht, dass meine persönliche Erfahrung weder besonders schlecht noch so gut war, dass ich fünf Sterne vergeben wollte.
Natürlich weiß ich nicht, aus welchem konkreten Grund diese Bewertung letztlich entfernt wurde. Ich möchte auch nicht behaupten, dass sie entfernt wurde, weil es nur drei Sterne waren. Aber eine Frage bleibt bei mir zurück: Wäre die Bewertung auch beanstandet worden, wenn ich fünf Sterne vergeben hätte?
Ich kann diese Frage nicht beantworten. Aber allein, dass sie sich mir inzwischen stellt, zeigt, wie sehr mein Vertrauen in Google Bewertungen gelitten hat. Wenn selbst eine reine Sternebewertung ohne kritischen Text verschwinden kann, frage ich mich als Nutzer, welchen Aussagewert die verbleibenden Bewertungen für mich noch haben.
Am 13. September 2026 erhielt ich zu einer der entfernten Rezensionen eine Nachricht von Google. Darin wurde mir mitgeteilt, dass die Rezension nach einer Beschwerde vorerst entfernt worden sei. Als Hintergrund nannte Google den Vorwurf, die Rezension sei nach deutschem Recht diffamierend. Zugleich wurde mir angeboten, mit Nachweisen meiner Kundenbeziehung Einspruch einzulegen.
Ich verstehe, dass Unternehmen sich gegen unwahre Tatsachenbehauptungen und rechtswidrige Inhalte wehren dürfen. Das ist wichtig und richtig. Ich kann auch nachvollziehen, dass eine Plattform Beschwerden prüfen muss. Mein Problem ist ein anderes. Wenn ich für eine persönliche, in gutem Glauben verfasste Bewertung immer wieder Nachweise zusammentragen und ein Verfahren durchlaufen soll, verliere ich die Freude und die Bereitschaft, überhaupt noch zu bewerten.
Aus meiner Sicht entsteht dadurch ein Ungleichgewicht. Ich frage mich, wie vollständig ein öffentlich sichtbares Bewertungsbild sein kann, wenn einzelne Rezensionen nach Beschwerden zeitweise verschwinden. Das bedeutet nicht, dass alle entfernten Rezensionen berechtigt waren oder dass alle verbliebenen Bewertungen falsch sind. Aber es reicht aus, um mein persönliches Vertrauen in die Aussagekraft des Systems zu erschüttern.